Arnika Fürgut

"Bei Tobias Loemke möchte man die Frage, was zuerst da war – der erste Strich oder die Bildidee – intuitiv am liebsten mit 'natürlich der Strich!' beantworten. Und trotzdem nimmt man es ihm nicht ganz ab, dass das, was er macht, ohne Plan, Absicht und nur aus sich selbst heraus entsteht. Ein bisschen gibt er es auch zu, indem er sagt, dass seine  'Situationen im Vorfeld erlebt werden', ihn dann aber doch des Öfteren überraschen. Wem das zu abstrakt klingt, der befindet sich bei Loemke auf dem richtigen Weg. Die Gegenständlichkeit und das Abstrakte treffen sich nicht selten leise und sanft auf hellem Träger, manchmal gesellen sich schwebende Leichtigkeit oder feste Formen hinzu – situationsbedingt. Am Ende des Schaffensprozesses finden wir helle blaue und vanillefarbene Striche und Streifen, die sich geschwungen unter der schweren Last der oberen Bildhälfte biegen und doch in festen Linien ihr Streben beibehalten. Und dann stehen und sehen wir und fragen uns ganz nach dem Regelwerk der postmodernen Kunstbetrachtung: Ding, Verweis, Zitat oder malerische Materialkunde? Eins ist offensichtlich: Es geht bei Loemke nicht nur darum, Ikon, Index und Symbol zusammen zu zählen, um ein uns bekanntes Zeichen zu bestimmen. Er löst unser liebstes Rätsel was es ist selbst auf, indem er seinem Werk den Titel Lampe gibt. Und erklärt dann sympathisch: 'Manchmal wird die Lust am Spüren einer Arbeit so stark, dass die Idee keck die zweite Dimension verlässt und den Raum ansticht'."

Fürgut, Arnika (2011). „Watchlist: Tobias Loemke“ In: Sonnendeck Nr. 97. Strzelski, Mario (Hrsg.), S. 16.